Mit der letzten Milchanlieferung am 30. April 2016
ist die Milchsammelstelle in Burggen Geschichte.

Die veränderten Bedingungen in der Landwirtschaft allgemein machten in Burggen, wie andernorts auch, zunächst etwa ab 1870 die Milchwirtschaft neben der Eigenversorgung zu einer der wichtigsten Erwerbsquellen unserer Bauern. Eine vermehrte Milchviehhaltung und damit die Erzeugung von Milch und Milchprodukten machten ab 1876 nach und nach die Gründungen von fünf sog. „Käsküchen“ möglich. Diese wurden auf genossenschaftlicher Basis geführt.
In gemeindlichen Unterlagen (wie Dienstbotenregister, Gewerbean-und abmelderegister) und in der Haus-und Familienchronik von Burggen von Johann Schmeidel finden sich als Berufsbezeichnung immer häufiger „Käser“, oder als Dienstherrschaft „Käsereibetrieb“, bzw. ab 1892 „Käsereigenossenschaft“.

 
 

Käsküche I
ab 1884 Inbetriebnahme mit 15 Mitgliedern ab  1902 bzw. 1932 sind 23 Mitglieder genannt.
Stilllegung zum 1.6.1941 . (Die Milchanlieferung der ehemaligen Genossenschaftsmitglieder ging an die Käsküche IV über)

Käsküche II   
ab 1884 etwa bis 1938, zu der Zeit mit 29 Mitgliedern (Verkauf an die Molkereigenossenschaft, (siehe Käsküche IV) – zu dem Zeitpunkt „Milchverwertungszentrale“ bezeichnet).
Hier sollte nach dem Willen der damaligen Regierung ein großer Milchverarbeitungsbetrieb entstehen.
Das Grundstück war bereits erkauft, ein Staatszuschuss ausgezahlt, Baupläne erstellt und 30cm³ Kies angefahren.
1939 wurde das Bauvorhaben wegen des Krieges, Mangel an Baustoffen und Arbeitskräften vorläufig zurückgestellt.
Der Neubau kam nicht mehr zustande.

Käsküche III
ab 1897 Kauf der Käsküche durch 38 Genossenschaftsmitglieder.
1952 wurde die Käseproduktion eingestellt (Der Übertritt zur Molkereigenossenschaft (siehe Käsküche IV) erfolgte 1954.)

Käsküche V   
Gründungsdatum unbekannt – amtl. Eintragung im Verzeichnis der Neubauten erfolgte 1907.
Bis 1952 mit 24 Mitgliedern (ab 1953 Übertritt zur Molkereigenossenschaft)
(siehe Käsküche IV))

 
Die alte Käsküche vor dem Brand 1929 li.: Thomas Fichtl mit Familie und drei Käsern. Er führte die Käsküche als Pächter von 1919-1950.
 

Käsküche IV                        1898 – 1929

Der Betrieb der Käsküche IV erfolgte von der Gründung 1898 bis 1954 durch eine Gesellschaft des bürgerlichen Rechts. Das Betriebsgebäude brannte 1929 ab. Nach dem Bezug des neuen Gebäudes wurde die Bezeichnung „Milchverwertungszentrale“ verwendet.
Milchverwertungszentrale                1930 – 1954

Molkereigenossenschaft Burggen
gegründet 1938 war sie rechtlich bis 1954 nur für den Geschäftsbetrieb der Milchverwertungszentrale zuständig. In ihrem Eigentum befand sich nur das unbebaute Grundstück (siehe Käsküche II), auf dem jetzt das neue Feuerwehrhaus steht.
In der Molkereigenossenschaft Burggen wurden alle Milchlieferanten der ehemaligen
fünf Käsküchen
zusammengeführt.
Seit dieser Zeit betrieb sie die einzige im Ort bestehende Käsküche.
Seit Oktober 1954 war die Molkereigenossenschaft Burggen Eigentümerin des Betriebsgebäudes in der St.-Anna-Straße, in dem bis 1960 gekäst und das danach bis zum
30. April 2016 nur noch als Milchsammelstelle genutzt wurde.
Ab 1951 übernahm das „Erste Bayerische Butterwerk“ den Geschäftsbetrieb.
Außerdem war die Molkereigenossenschaft Burggen am Butterwerk beteiligt. Somit wirkten sich Änderungen beim Butterwerk auch auf die Genossenschaft aus. Das Butterwerk stellte die Milchverarbeitung in Schongau und Steingaden 1987 ein. Die Firma Hochland pachtete beide Milchverarbeitungsbetriebe und verarbeitete dort die Milch weiter.
1997 baute die Firma Hochland ein eigenes Werk in Schongau und schloss mit dem Butterwerk einen Milchabnahmevertrag. Nach Aufgabe der eigenen Milchverarbeitung zahlte das Butterwerk den Großteil der von der Molkereigenossenschaft Burggen erworbenen Anteile aus.
Diese Rückzahlungen bildeten den finanziellen Grundstock für das neue Schlachthaus, das im Rahmen der kommunalen Allianz „Auerbergland“ mit staatlichen Zuschüssen ab 1996 in Betrieb gehen konnte.
Ab 1992 stellte die Firma Hochland den Betrieb von Milchsammelstellen ein und die Molkereigenossenschaft Burggen übernahm den Milchsammelstellenbetrieb selbst.
Die Kosten hierfür wurden den Selbstanlieferern mit 1 Pfennig und den Saugwagenlieferern mit 0,3 Pfennig/bzw. später ab 1996 mit 0,2 Pfennig pro Kilogramm Milch berechnet.
Neben den Anschaffungen zum Betrieb und Erhalt der Käsküche bzw. Milchsammelstelle erwarb die Molkereigenossenschaft Burggen auch landwirtschaftliches Gerät (oder bezuschusste deren Erwerb) zur kostenlosen Nutzung für Mitglieder, (z.B. Wiesenwalze, Heuwehrgerät, Wiesenegge, Klauenpflegestand etc.), oder spendete Geldbeträge für Anschaffungen in der Gemeinde Burggen (so z.B. 1956 für das elektr. Glockengeläut und 1997 für die neue Orgel).

 
Dieses Bild erhielt jedes Mitglied anlässlich der Einweihung des 1929 neu erbauten Betriebsgebäudes.
 


Andreas Lang
setzte sich als Vorstand ganz besonders für den Neubau ein.

 

Nach Ende Pachtzeit von Thomas Fichtl 1951 wurde der Geschäftsbetrieb dem „Ersten Bayerischen Butterwerk“ übertragen.
Das Butterwerk stellte seine Milchverarbeitung in Schongau und Steingaden 1987 ein. Von der Firma Hochland wurden sie gepachtet. Diese stellte 1992 den Betrieb der Milchsammelstellen ein. Ab 1992 übernahm deshalb die Molkereigenossenschaft Burggen den Sammelstellenbetrieb in eigener Regie.


 

Simon Knöpfle
1951 – 1962 Betriebsleiter
Simon Knöpfle produzierte bis 1960 Käse. Für seine Erzeugnisse
erhielt er mehrere Auszeichnungen.

 

 

Ab 1960 wurde der Betrieb nur noch als Milchsammelstelle geführt.

 

Milchmesser und Probennehmer

 

Siegfried Jais
1962 – 1977
Leo Rost
1977 – 1989
 

 krankheitsbedingte Vertretungen für Leo Rost übernahmen:

Peppi Schuster
Hermann Lang
(Probennehmer)
 
Gerhard Seichter
1989 – 1997
Ernst Ehlich
1997 – 2016
 
 

Vorstandsvorsitzende der Molkereigenossenschaft Burggen
ab Gründungsversammlung 1938:

 

Johann SchönherrSept. 1938 - Dez. 1949
Johann Eiband

Dez. 1949 – Sept. 1959 (aus gesundheitlichen
Gründen zurückgetreten)

Magnus Sprenzel
Sept. 1959 – Nov. 1959 (nur Geschäftsführung)
Alois MöstNov. 1959 – Mai 1981
Hermann KoppMai 1989 – April 1988
Josef DopferApril 1988 – Okt. 2014
Christian Moser

Okt. 2014  -  noch

 

 

Abschlussfest am 30.04.2016

 

 

                    erstellt vom                           
Arbeitskreis Dorfgeschichte
August 2016