Gräberfunde an der "alten Linde" in Burggen

im Juli 2007

 

Im Rahmen des geplanten Straßenausbaus an der Kreisstraße WM 6 am östlichen Dorfausgang von Burggen in Höhe der „alten Linde“ fanden vom 20.6.-7.7.2007 im Auftrag des Straßenbauamtes Weilheim Sicherungsgrabungen durch Archäologen statt.

Bereits 1924 waren im Umfeld der Linde Gräber aus der Zeit des 7.Jahrhunderts mit Skeletten und Grabbeigaben gefunden worden und es wurden auf dem Hügel weitere Gräber vermutet.

Südlich der Straße, östlich der Linde an höchster Stelle des Hügels fanden sich mehrere rechteckige dunkel verfärbte Flächen. Mit Pickel, Hacke, Schaufel, Grabkelle, Grablöffel und Pinsel wurden die Gräber fachgerecht geöffnet und die darin befindlichen Skelette und Beigaben in mühevoller Feinarbeit per Hand freigelegt. Danach erfolgte eine genaueste Zeichnung, Vermessung, eine fotografische Dokumentation der Funde, sowie deren Bergung.

Es wurden 13 Gräber freigelegt, die nach ersten Einschätzungen der Fachleute aus der Zeit um 580 bis 640 n. Chr. stammen sollen. 11 Grabungen enthielten Skelette, alle in Ost/West-Ausrichtung gelegen. Die in 20 – 60 cm Tiefe gelegenen Gräber waren unterschiedlich erhalten. Zwei waren leer, andere beraubt – wahrscheinlich bereits kurz nach der Beisetzung.

Der Erhaltungszustand der Knochen ist offensichtlich vom Alter des Bestatteten abhängig. So waren in den Kindergräbern z.T. nur noch Zähne, Schädel und Langknochen der Arme oder Beine erhalten. Auch die Größe der Gräber mit 1,40 x 0,70m und die Grabbeigaben deuten auf Bestattungen von Kindern und einem Jugendlichen hin.

Anhand der Beigaben ist ersichtlich, dass sich nur zwei Frauengräber, erkennbar durch Glasperlenschmuck, in diesem Gräberfeld befanden.

Ansonsten handelt es sich um männliche Tote, deren Gräber unterschiedlich gut erhalten bzw. mit Grabbeigaben ausgestattet waren. In fast allen Gräbern fanden sich Gürtelschnallen. Ein Grab war besonders reichhaltig mit Beigaben

bestückt.

An beiden Seiten entlang der Straße wurde in einem etwa 4m breiten Streifen vorsichtig mit einem Bagger der Humus abgetragen.
 
Mehrere dunkle Verfärbungen im Boden östlich der Linde auf der Südseite der Straße markieren das Gräberfeld.
 
Mit einem Metallsuchgerät tastete die Grabungsleiterin und Archäologin Frau Ines Gerhardt den freigelegten Boden ab, während Kreisheimatpfleger Helmut Schmidbauer die Arbeiten kritisch beobachtet.
 
Mit geübtem Blick sondiert Frau Gerhardt erste Knochenteile aus dem Erdreich.
 
In unterschiedlichen Höhen und nur geringen Abständen wurden die Skelette in mühevoller Handarbeit freigelegt (siehe Vordergrund und Grube!).
 
Zeitweise waren bis zu drei Mitarbeiter der beauftragten Firma Phoinix Archäologie, Pöcking auf der Grabungsstätte intensiv bei der Arbeit.
 
Nachdem die Skelette freigelegt waren, wurden diese vermessen und danach maßstabgerecht auf Millimeterpapier zeichnerisch dokumentiert
 
Die Grabungsarbeiten wurden mit großem Interesse von der Bevölkerung beobachtet.
 
Die Funde wurden u.a. nach Höhenlage und Himmelsrichtung in die Flurkarten eingetragen.<br>Vermutlich wurde dieses Grab bereits kurze Zeit nach der Bestattung beraubt, denn es fehlen Grabbeigaben. Außerdem deutet die verschränkte Lage der Ober- und Unterschenkel darauf hin
 
Die breite Lage der Beinknochen war besonders auffällig.
 
Eines der Gräber war besonders reichhaltig mit Beigaben ausgestattet Am oberen Rand deutlich erkennbar an der rötlichen Verfärbung ein Schwert und weitere Metallteile. Um einen weiteren Verfall zu verhindern, wurden diese Teile nicht weiter gereinigt.
 
Im selben Grab fand sich zu Füßen des Skeletts ein Tontopf. (im Bild links)
 
Eine gewaschene Scherbe aus diesem Tontopf mit einer schönen Stempelverzierung.
 
In diesem Grab war der Zustand des Skelettes sehr gut erhalten.
 
Rechts neben dem Schädel lag ein Beinkamm (siehe länglicher Gegenstand). Der deutlich sichtbare Bruch der Wirbelsäule war auch aus Sicht der Fachleute nicht zu erklären.<br>
 

Auszug aus der Liste der Grabbeigaben:

Quelle: Fundbericht zur Grabung, Ines Gerhardt, Phoinix Archäologie, Pöcking

Fragmente eines Beinkammes, dreilagiger Beinkamm, einreihiger Dreilagenkamm, verziert, Bein

1 Pferdezahn

7 kleine Glasperlen (mehrfarbig weiß und blau, einfarbige in blaugrün, dunkelgrün, grün, blau und gelb)

Verschiedenartige Gürtelschnallen (mit triangulärem oder ovalem Beschlag), sowie mit Gegenbeschlägen

Bronzene Schlaufenbeschläge, rechteckig

Eisenmesser

Sax mit Holzresten (einseitiges Hiebschwert)

Spatha mit dreieckigem Bronzeknauf (Schwert)

Eiserne Lanzenspitze oder Saufeder (Jagdspieß)

2 eiserne Pfeilspitzen

Gefäß mit Stempelverzierung, zerscherbt

Eiserner Schildbuckel

Größere Anzahl von Eisenfragmenten in verschiedenen Formen

 

Nach Aussagen der Fachleute sind

einzelne Grabbeigaben als besonders

 wertvoll einzuschätzen. Der Gemeinde

 wurde daher dringend empfohlen,

 diese Funde restaurieren zu lassen.

 

 

Arbeitskreis Dorfgeschichte

Fotos:   Bruno Faller     

Martin Ragaller