90 Jahre Musikkapelle Burggen 1925 -2015

 

Musikgruppe   v o r   1925

Nachfolgende Angaben über die Zeit vor 1925, über die Umstände der Gründung der Musikkapelle im Jahr 1925 und die Zeit bis zur Neuaufstellung einer jungen Gruppe von Musikern ab 1955 beziehen sich hauptsächlich auf die mündlichen Aussagen von Fritz Sprenzel (1908–2003), die dieser anlässlich des 70jährigen Bestehens der Musikkapelle im Jahr 1995 äußerte.

Fritz Sprenzel
war 1925 einer der Gründungsmitglieder.
Nach seinen Erzählungen hat schon sein Großvater davon berichtet, dass es in Burggen seit langer Zeit eine Blasmusikkapelle gegeben habe. So seien die Soldaten aus dem Krieg 1870/71 bei ihrer Rückkehr von der Blasmusikkapelle begrüßt worden. Er erinnerte sich aber noch selber an eine Kapelle nach dem Weltkrieg 1914/18. Es habe sich um 10 – 12 Mann gehandelt, unter denen auch einige Tannenberger Musiker gewesen seien.

Diese Angaben werden bestätigt durch Einträge in den Kassenbüchern des Veteranenvereins (1) .  Z.B.: wurden 1921 am 28. November für Musik am Veteranenjahrtag ausbezahlt an die Musikgesellschaft Burggen-Tannenberg 180 Mark und für  9 Musikanten Abendessen je 8 Mark und 8 Brote je 80 Pfennige.

1922 sind letztmals Ausgaben für Musik aus Burggen beim Veteranenverein verbucht.
In der Festschrift des Musikvereins  Steingaden anlässlich des 15. Bezirksmusikfestes 1987 findet sich die Bemerkung: „…,Am 29. Juli (1922) war Gartenkonzert und anschließend Tanz beim Annafest in Burggen (Burggen hatte derzeit keine Musik). Die Fahrt nach Burggen ging mit dem „Schiff“ über den Lech ….“

1924 erscheint der Eintrag  beim Veteranenverein  „…An Musikkapelle Peißenberg  z. Aushilfe am Jahrtag  210 Mark…“.

Nach diesen Unterlagen zu schließen, löste sich die Gruppe von Blasmusikern in Burggen im Laufe des Jahres 1922 auf.

(1) Siehe Kassenbuch des Veteranenvereins Burggen 1921 ff

 

Am 23. September 1924 verstarb der ehrengeachtete Bürger und Kriegsteilnehmer von 1870/71 Marianus Hosp (alter Hausname: Kapitel).
Er wurde ohne Teilnahme einer Blasmusik beerdigt, was zur damaligen Zeit bei einem Veteranen fast undenkbar war.

Nach der Schilderung von Fritz Sprenzel sei das für den damals 22-jährigen Müller und Landwirt Michl Faller (1902 - 1976) der letzte Anstoß gewesen, den Versuch zu unternehmen, eine Blechmusikkapelle zu gründen. Damals sagte man noch nicht Blasmusik.
Er lud junge Burschen aus dem Dorf zu sich nach Hause ein und wählte 25 aus, die geeignet und an Musik interessiert erschienen. Den damaligen Bürgermeister Schlaucher habe er gleich mit dazu eingeladen. Dieser sei von dem Gedanken der Gründung einer Musikkapelle von Anfang an sehr angetan gewesen und habe schon vor dem ersten Treffen seine volle persönliche und die gemeindliche Unterstützung zugesichert.

Am Dreikönigstag des Jahres 1925 trafen sich im Hause Faller 23 Männer und gründeten die Musikkapelle Burggen.

Zu dem Dirigenten der Blasmusik Hohenpeißenberg, Anton Baarfüßer (1890 -1971), bestanden nach Angabe von Fritz Sprenzel bereits persönliche Verbindungen und dieser erklärte sich bereit, beim Aufbau einer Musikkapelle mitzuhelfen und so lange nötig, das Dirigentenamt zu übernehmen.
Mit den Proben habe nicht unverzüglich begonnen werden können, da die in München gekauften Instrumente überwiegend in der „Tschechei“ hergestellten worden seien und dort Lieferschwierigkeiten bestanden hätten.
Baarfüßer konnte fast nur an den Samstagen kommen. Die Proben in Faller’s Stube begannen um 8 Uhr am Abend und endeten nicht selten erst um 1 Uhr nachts. Baarfüßer kam meist mit dem Fahrrad oder wurde mit einem Pferdewagen vom Bahnhof Schongau oder Schwabbruck abgeholt und blieb nicht selten über Nacht in Burggen. Unter der Woche musste jeder seine Hausaufgaben machen,  oder man traf sich bei einem Kameraden zur Probe.

Bereits am Fronleichnamsfest am 11. Juni 1925 trat die Musikkapelle Burggen erstmals öffentlich auf. (2)

Das war nach dieser kurzen Zeit natürlich nur möglich, da ein nicht geringer Teil der jungen Musikanten die Noten schon kannte und bereits andere Instrumente spielte.
Lt. Fritz Sprenzel wurde 1927 für alle Musiker eine Uniform angeschafft, die erstmals beim Tänzelfest in Kaufbeuren am 25. Juli 1927 getragen worden sei.
Bis 1927 finden sich in den Unterlagen des Veteranenvereins  Auszahlungsbelege für die Tätigkeit von Anton Baarfüßer als Dirigent der Musikkapelle beim Veteranenjahrtag.

(2) Siehe Aufzeichnungen Pfarrer Stegher vom 27.7.1925

 
1926 ältestes Foto der Musikkapelle – aufgenommen beim Gaufest in Landsberg (mit Trachtengruppe aus Burggen)
 
1927 wurde die erste Uniform gekauft. Zur Erinnerung daran soll dieses Foto entstanden sein.
 
1928 feierte Johann Nuscheler Primiz in Burggen. Beim Festzug wurde die Musikkapelle noch von Anton Baarfüßer dirigiert.
 

1928 bei der Primizfeier von Johann Nuscheler dirigierte er aber die Burggener Blaskapelle.
Da Baarfüßer auch noch die Kapellen von Böbing und Polling betreute, hatte er für Burggen immer weniger Zeit und so übernahm Michael Faller nach und nach den Dirigentenstab.
23 Mann waren für manche Veranstaltung zu viel. Wenn nötig, wurde die Kapelle in 2Gruppen aufgeteilt. Die Gruppe I dirigierte Michael Faller und die Gruppe II das Mitglied Xaver Bachmann.
Wie es der Zufall wollte, feierten Josef Dopfer und Peter Zörr mit ihren Ehefrauen am 29. Febr. 1932 in verschiedenen Lokalen jeweils den Vierzigsten Hochzeitstag und die aufgeteilte Kapelle spielte auf beiden Feiern.

Anlässlich des 10-jährigen Bestehens der Musikkapelle wurde 1935 eine Gruppenaufnahme gemacht, auf der alle die erste Uniform tragen.

 
1935 bestand die Musikkapelle 10 Jahre (Dirigent Michael Faller).
 

Problematische Zeiten
Wie in den anderen Gemeinden auch, wurde die Musikkapelle in Burggen in die Dorfgemeinschaftsabende und politischen Versammlungen des Dritten Reiches mit einbezogen. Anfangs habe schon überwiegend eine gewisse Begeisterung bestanden, da alles ausgezeichnet organisiert gewesen sei. Bald hätten aber die Entwicklungen zu Zurückhaltung und Nachdenklichkeit geführt. Ein sich Widersetzen sei jedoch nicht mehr möglich bzw. wäre äußerst gefährlich gewesen.

Es folgt eine schwere und traurige Zeit.
Bereits bis September 1939 wurden 15 Musikanten zum Kriegsdienst eingezogen. Mehrere sind gefallen und mussten von der stark dezimierten Kapelle zu Grabe geleitet werden. Auch Einsätze bei Beerdigungen in den Nachbargemeinden Tannenberg, Ingenried, Krottenhill und Remnatsried waren nötig.
Nach dem Kriegsende 1945 ging es mit neuem Mut weiter. Die Kameradschaft und die Musik haben die zurückgelegten schweren Zeiten zumindest für einige Stunden vergessen lassen.

Neben den mündlichen Überlieferungen von Fritz Sprenzel waren insbesondere die umfangreichen Aufzeichnungen ab 1925 von Anton Höfler für die geschichtliche Aufarbeitung äußerst hilfreich.

 
1950 feierte die Kapelle ihr 25-jähriges Bestehen und stellte sich für das Foto vor dem alten Kriegerdenkmal auf.
 

Ende 1948 verstarb plötzlich der Bürgermeister Andreas Lang und Michael Faller wurde zum Bürgermeister gewählt. Das Amt nahm ihn viel in Anspruch und er drängte immer mehr auf den Aufbau einer jüngeren Musikantengruppe.
Gustl Hosp hat sich notiert, dass sich am 6. Januar 1955 (der 6. Januar 1925 war Gründungstag) in der Stube beim Faller 18 junge Burschen trafen, mit dem Ziel,
unter der Leitung von Xaver Bachmann (1901 - 1959) eine Verjüngung der Musikkapelle einzuleiten.
 
Xaver Bachmann formte ab 1955 eine neue Gruppe und übernahm den Dirigentenstab.
Xaver Bachmann, dem das Dirigieren ja schon lange bekannt war, erklärte sich zur Heranbildung einer neuen Gruppe bereit.
Die Proben wurden ab 1955 in seiner Sattlerei abgehalten.

Von 1925 bis 1955 waren die Musikproben in Fallers Stube. Als Anerkennung für das Überlassen des Raumes und des jeweiligen Herausputzens der Stube, mähten die Musiker jährlich die „Au“. Ein Feld, das wegen seiner Steilheit nur mit der Hand gemäht werden konnte. Der Arbeitstag sei anstrengend aber immer lustig gewesen.

Nach eifrigem Üben trat die junge Musikkapelle am Fronleichnamstag im Jahr 1956 erstmals öffentlich auf. Einige der älteren Musiker spielten zur Verstärkung noch weiterhin mit.                                                                                                 
Über die Einsätze der 1955 gebildeten jungen Musikantengruppe führte Jakob Fischer als aktiver Musiker viele Jahre  Buch. Auch Gustl Hosp hielt seine Erinnerungen von 1955 bis er heiratete und 1966 nach Schwabbruck umgezogen ist in schriftlicher Form fest.
Xaver Bachmann verstarb während der ersten Maiandacht 1959 bei der Leitung des Kirchenchores.

 
1956 So war die Zusammensetzung der damals jungen Musik.
 
1958 am 1. Dezember spielte die Kapelle beim Eligiusritt in dieser Zusammensetzung (Dirigent Xaver Bachmann). Foto nach dem Umritt vor dem Pudlwirt.
 

Konrad Bachmann wurde 1959 Nachfolger seines Vaters.
Konrad Bachmann (1934 - 2008) übernahm dann die Leitung der Blaskapelle und führte diese bis zum Jahr 1999, also 40 Jahre lang.                                   
Eine Leistung, die sehr hoch einzuschätzen ist. Aus gesundheitlichen Gründen legte Konrad Bachmann im Mai 1999 das Dirigentenamt nieder.

Herbert Sprenzel übernimmt 1999 den Dirigentenstab.
Da Konrad Bachmann seinen Rückzug schon rechtzeitig bekannt gegeben hatte, absolvierten Herbert Sprenzel und Monika Faller 1999 einen Dirigentenlehrgang. Damit war die lückenlose Weiterführung der Kapelle gesichert.                     
Erster Dirigent wurde Herbert Sprenzel und zweite Dirigentin Monika Faller.

Musikkapelle Burggen wird 1997 ein Verein.
Am 12. April 1997 fand im Gemeindesaal in der Füssener Straße die Gründungsversammlung des Vereins  „Musikkapelle Burggen“ statt. Dazu waren 31 Musiker schriftlich eingeladen worden. Es wurde eine Vorstandschaft gewählt und eine Vereinssatzung einstimmig beschlossen.                                              
Zum ersten Vorsitzenden wurde Sebastian Jocher gewählt.

Die Eintragung in das Vereinsregister (e.V.) beim Amtsgericht erfolgte am 29. August 1997 unter der Registernummer VR 90244.                                           
Die Gemeinnützigkeitsanerkennung sprach das Finanzamt am 17. März 2011 aus.
Besonders in finanzieller Hinsicht brachte die Anerkennung als gemeinnütziger Verein große Vorteile. Es konnten Zuschüsse für Instrumente und für die Jugendarbeit beantragt werden. Besonders die Jugendarbeit ist kostenintensiv, da seit längerer Zeit fachlich ausgebildete Musiklehrer verpflichtet werden, und diese müssen entsprechend bezahlt werden. Außerdem können Spenden angenommen und dafür Zuwendungsbestätigungen ausgestellt werden.


Welcher Einsatz von Verantwortlichen und Musikanten                       
verlangt wird, ist beispielhaft dem Jahresbericht 2014/15                    
der Schriftführerin Barbara Eiband zu entnehmen.
Danach war die Musikkapelle in diesem Vereinsjahr bei
35 Einsätzen aktiv. Diese umfassten u.a., Vereinsfeste,
kirchliche Feste, Fahnenweihen, Hochzeiten und Beerdigungen.                  
Die regelmäßigen Proben kamen dann noch dazu.

 
Aufnahme 1984
 
Aufnahme 2013
 
Die Vorstandschaft des Vereins v.li.: Markus Stelzner (2. Vorsitzender), Michaela Herles (Jugendleiterin), Herbert Sprenzel (1. Dirigent), Tanja Welz (Kassiererin), Monika Faller (2. Dirigentin), Klaus Jocher (Beisitzer), Barbara Eiband (Schriftführerin), Stefan Arnold (Beisitzer), Nico Möst (1. Vorsitzender)



 

 Vereinsvorsitzende

1997 – 2003    Sebastian Jocher
2003 – 2013      Magnus Fischer
seit 2013           Nico Möst

 
 

 

erstellt vom Arbeitskreis Dorfgeschichte Burggen

                                                                                          im August 2015