1945-2025: 80 Jahre Kriegsende in Burggen
Am 27. April 1945 wurde Burggen von den Soldaten der 7. Armee der Vereinigten Staaten befreit. In fatalistischer Art und Weise erwartete die Bevölkerung 1945 mit Ausnahme weniger fanatischer Nationalsozialisten das Kriegsende, da durch die offensichtliche Lufthoheit und dem Vormarsch der Alliierten den so genannten Wunderwaffen und einem Endsieg wenig Glauben geschenkt wurden.1
Am Ende des zweiten Weltkriegs ergibt sich für Burggen folgendes Bild: 71 gefallene und vermisste Soldaten, zerrissene Familien, ausgebombte Städter, ehemalige Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter, die teilweise noch im Ort lebten. Schließlich kamen noch Flüchtlinge und Vertriebene in den Ort und schwer verletzte und traumatisierte Kriegsheimkehrer nach Hause.2
Dieser Ausschnitt möchte in Kürze das Kriegsende in Burggen mit Hilfe von Zeitzeugenberichten und Quellen aus mehreren Blickwinkeln beleuchten, damit sich derart schlimme Zeiten und Denkweisen nicht wiederholen mögen.
Am 30. Mai 1945 wurde Andreas Lang von der amerikanischen Militärregierung zum Bürgermeister von Burggen bestellt und im Juni 1946 mit fast 96% der Stimmen gewählt. Er schrieb die Ereignisse am Kriegsende für seinen Sohn folgendermaßen auf: „Am 27. April 1945 ertönte der Ruf: „Der Feind kommt!“ Ich sah eine mächtige Rauchwolke über Sachsenried und hörte das Donnern der Kanonen. Trotzdem wagten wir die Heimfahrt mit dem Heu aus dem Bullach und sahen, wie überall weiße Fahnen gehisst wurden. Nicht lange darauf erschien der erste Amerikaner und alles im Haus schrie: „Die Amerikaner kommen!“ Wir blieben die erste Nacht verschont, aber am nächsten Morgen rückten Panzer an Panzer an und Amerikaner kamen herein. Mutter kochte ihnen Spiegeleier und ich zeigte meine Kinder. Das war vermutlich der Grund dafür, dass wir in unserem Hause so gut wegkamen, während in anderen Häusern schwere Ausschreitungen und Plünderungen vorkamen.“ (Anm. d. Verf.: gekürzte Wiedergabe)
Anneliese Götze, die das Kriegsende in Burggen als junges Mädchen miterlebte, erinnerte sich in einem Zeitzeugengespräch im Jahr 2015 wie folgt:3 „Alles war in Auflösung begriffen und wie sie dann immer nähergekommen sind, sind wir auf die hintere Burg. Dort lagen wir im Gras. In der Zeit tat es in Schongau einen fürchterlichen Schlag. Das war wie wenn Bomben fallen. Sie haben uns danach erzählt, dass da die Schongauer Lechbrücke gesprengt wurde. Dann kam der 27. April. Da war es so heiß an dem Tag. So um 4e halb5e kam ein Gewitter. Dann hat man es schon schießen gehört. Da haben sie von Sachsenried runter auf die Kreuzstraße geschossen. Dabei kam ein deutscher Soldat ums Leben. Den haben die Amis dann später mitgenommen und an die Friedhofsmauer hingelegt. Schließlich wurde es so dreiviertel 6 und man hat schon die Panzer gehört. Die Ketten, das ist ein ganz besonderes Geräusch. Durch die Ritzen im Stadel hat man hinausgeschaut. An die Fenster hat man sich schon nicht mehr hingetraut, weil das einfach zu gefährlich war. Kommt ein Panzer groß wie ein Überseekreuzer. Der ist dann von der Kreuzstraße hergefahren, die Kanone war ausgefahren. Der war so hoch, der hätte beim Weber4 ins Schlafzimmer schauen können. Er hat sich beim Ehlich in die Hofeinfahrt gestellt und die Kanone ortsauswärts gerichtet. Dann kam ein zweiter und hat beim Hipp den Ortsausgang besetzt. Die Besatzung des ersten Panzers hat beim Weber Quartier gesucht. Wir mussten raus und sind beim Nachbarn untergekommen. Ich kann mich aber nicht erinnern, dass ich einen Soldaten vom Gesicht her gesehen hätte, denn man hat mich gleich hinter einen Schrank verfrachtet, weil ich ein junges Mädchen war. Nachts durfte man nicht zusperren. Die ham dann Streife gemacht und ham überall geschaut, ob nicht noch deutsche Soldaten da sind. Die wurden ja Kriegsgefangene. Am 28. hat man ja in Stall gehen müssen. Großmutter war schon außerhalb des gefährlichen Alters und ging dann einfach morgens in den Stall. Die Besatzer die da gekommen sind, das waren Elitetruppen. Da wurde nichts geplündert. Die nachfolgenden plünderten aber schon….“
Fußnoten
1 Rittenauer, Daniel: Kriegsende 1945, verfügbar unter: https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Kriegsende_(1945) (abgerufen am 17.5.2025).
2 Benz. Wolfgang: Infrastruktur und Gesellschaft im zerstörten Deutschland, verfügbar unter: https://www.bpb.de/themen/nationalsozialismus-zweiter-weltkrieg/dossier-nationalsozialismus/39602/infrastruktur-und-gesellschaft-im-zerstoerten-deutschland/#node-content-title-6 (abgerufen am 19.5.2025).
3 Stark gekürzte und zur besseren Lesbarkeit vereinfachte Version.
4 Beim Weber= das damalige Wohnhaus der Familie von Anneliese Götze. Es handelt sich um die heutige Schongauer Str. 18.
Weiterführende Literatur
Benz. Wolfgang: Infrastruktur und Gesellschaft im zerstörten Deutschland, verfügbar unter: www.bpb.de/themen/nationalsozialismus-zweiter-weltkrieg/dossier-nationalsozialismus/39602/infrastruktur-und-gesellschaft-im-zerstoerten-deutschland/ (abgerufen am 19.5.2025).
Rittenauer, Daniel: Kriegsende 1945, verfügbar unter: www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Kriegsende_(1945) (abgerufen am 17.5.2025).
Autor: Arbeitskreis Dorfgeschichte, Johanna Eiler




